Hiddensee

Tag 8 // Heimfahrt

Der Tag beginnt für uns wieder früher als sonst. Noch einmal Frühstück, noch einmal Tassen klappern in der Küche. Dann Wohnung aufräumen, Spuren verwischen, als würde man leise Danke sagen. Schließlich den Bollerwagen bestücken, Schicht für Schicht, bis aus einer Woche Insel wieder Gepäck wird.

Draußen geht die Sonne auf, und Hiddensee liegt noch im Schnee wie unter einer Decke. Alles gedämpft, weich, fast unwirklich. Als wolle die Insel den Abschied versüßen und uns gleichzeitig einladen, es uns anders zu überlegen. Ein kurzer Gedanke bleibt hängen: Man könnte auch einfach hierbleiben. Aber gut, wir kommen ja wieder.

Dann geht es mit unserer Lieblingsfähre Vitte hinüber nach Schaprode. Sie hat inzwischen sogar ihr eigenes Buch bekommen, weil manche Dinge mehr sind als nur Transport. Auf dem Wasser wird es still, und der Blick wandert zurück zur Insel, wie sie vorbeizieht, Stück für Stück, bis sie sich in der Weite verliert. Ein letzter Gruß, ohne großes Drama, aber mit diesem Knoten, den man kennt.

Und dann: Autobahn Richtung Zwickau. Der Übergang ist hart. Hiddensee war Watte, die Heimfahrt ist Winterkante. Schnee und Eis, 100 Kilometer Stop and Go, zähes Vorankommen. Irgendwie hatten wir diesmal alles dabei: Geduld, Snacks, Musik, müde Augen und das Gefühl, dass die Straße nicht fertig wird.

 

Am Ende kommen wir erst gegen neun abends warm zu Hause an. Durch, aber zufrieden. Und während draußen der Alltag wieder anklopft, bleibt innen noch dieses Insellicht stehen: Erinnerungen an eine Winterwoche, die sich festsetzt. Hiddensee, das Söte Länneken.


Tag 7 // 2. Januar

Der letzte Tag auf der Insel. Ein Tag, der sich ein bisschen länger anfühlt, weil wir schon wissen, dass er irgendwann kippt: vom Draußensein ins Packen, vom Bleiben ins Gehen.

Wir laufen die Küste entlang Richtung Hucke, weiter an der Steinmole vorbei, hinten rum zur Steilküste. Schritt für Schritt, der Blick immer wieder am Spülsaum. Dazwischen dieses kleine Ritual: Bernstein suchen, als könnten wir damit ein Stück Hiddensee mitnehmen. Die See ist aufgewühlt, die Luft salzig, der Wind direkt ins Gesicht. Genau das, was wir noch einmal ganz bewusst genießen wollen.

Der Rückweg führt uns hinauf zum Hügel und rüber nach Kloster. Ein kleiner Snack im Wieseneck, kurz sitzen, kurz Wärme, dann wieder los. Am Strand entlang zurück nach Vitte, das Meer ein letztes Mal in Ruhe anschauen, als müssten wir es uns merken: das Geräusch, die Farbe, dieses ständige Kommen und Gehen.

Dann heißt es langsam Abschied nehmen. Zusammen packen, alles wieder in Ordnung bringen, ein letzter Kaffee. Und dann noch einmal zum Hiddenseer: ein letzter Fisch mit Bratkartoffeln, ein letzter Sanddorngeist. So wie es sein soll, ohne großes Drama, einfach rund.

Auf dem Rückweg vom Hiddenseer stampfen wir durch frischen Schnee. Jetzt ist er also auch auf der Insel angekommen, ganz zum Schluss, als hätte er gewartet. Der Wiesenweg wirkt plötzlich wie neu gezeichnet, heller, leiser, gedämpft.

 

Drinnen dann die letzte Runde: Sanddornlikör, Rommé, ein bisschen lachen, ein bisschen müde werden. Und irgendwann ist es einfach soweit: Gute Nacht, zum letzten Mal in diesem Jahr hier im Wiesenweg auf Hiddensee.


Tag 6 // Neujahr

Neujahr. 2026. Wie immer beginnt es mit der Morgenrunde mit Bella. Der erste Weg des Jahres, vertraut und trotzdem besonders. Die Insel liegt still da, fast leer, und diese Ruhe am Neujahrsmorgen fühlt sich an wie ein tiefes Ausatmen. Wir genießen die Einsamkeit, nicht als Mangel, eher als Geschenk.

Später zieht es zu. Sturm und Regen schieben sich heran, erst als Ahnung, dann ganz deutlich. Der Bootsverkehr ist eingestellt. Wie lang? Ungewiß. Wir frühstücken gemütlich, warm und langsam, als würden wir dem Tag bewusst keine Eile geben. Und dann doch alle zusammen raus: Neujahrsrunde zum Hafen in Vitte. Wind im Gesicht, Regen von der Seite, am Ende komplett durch. Aber auch das gehört dazu, dieses einmal richtig vom Jahr begrüßt zu werden.

Zurück, Kamin an. Wärme, trockene Sachen, Mittagessen. Danach nur noch Pause. Ausruhen, schlafen, rumliegen. Luis-de-Funès-Filme, Kaffee zwischendurch, die Art von Nachmittag, die nichts beweisen muss.

 

Und später dann noch einmal nach draußen. Mondschein und kräftiger Wind, runter ans Meer. Ganz allein am Strand, als gehörte die Welt für einen Moment nur uns. Wunderbar. So muss Neujahr.


Tag 5 // Silvester

Letzter Tag des Jahres auf Hiddensee. Und wie so oft auf dieser Insel war es nicht der große Plan, der den Tag getragen hat, sondern die kleine Tradition. Um 11 Uhr ging’s los Richtung Kloster. Nicht hastig, nicht sportlich. Eher so, als würde man dem Jahr noch einmal in Ruhe die Hand geben.

Andere Wege, selbe Orte. Genau das macht es hier so schön. Man kennt die Richtung, aber nicht die Stimmung. Hinter jeder Kurve wirkt die Landschaft ein bisschen anders, je nach Wind, je nach Licht, je nach Tagesform. Die Natur macht keine Show, sie steht einfach da und reicht völlig.

In Kloster dann dieses leise Inselleben, das auch am Jahresende nicht laut werden muss. Ein paar Shops, ein bisschen Stöbern, Dinge anschauen, die man nicht braucht und trotzdem gern in der Hand hält. Drinnen warm, draußen klar und kalt. Und immer wieder dieser Moment, wenn man aus einer Tür tritt und der Wind einem sofort sagt, wo man ist.

Am Hafen Kloster stand das Silvesterzelt. Kein großes Spektakel, eher ein freundlicher Treffpunkt zwischen Wasser, Holz und Winterluft. Ein Glühwein, dampfend in der Hand, die Finger kurz wieder lebendig. Man schaut aufs Hafenbecken, auf die Masten, auf die Bewegung im Kleinen. Und irgendwo zwischen dem ersten Schluck und dem zweiten fühlt sich das Jahr plötzlich leichter an.

Zurück nach Vitte ging es über den Dammweg, der so geradeaus ist, dass er den Kopf sortiert. Links und rechts Weite, Himmel, dieses ruhige Grau, das nicht traurig ist, sondern weich. Später am Strand entlang, wo der Sand fest tritt und das Meer wie ein langer Atem nebenherläuft. Der Wind nimmt einem Gedanken mit, der nächste kommt von allein.

Und dann: Tür zu, Wärme an, Füße hoch. Kaffee, Berliner, und dazu Louis-de-Funès-Filme, dieses herrlich unernste Gegengewicht zum Winter draußen. Einfach chillen, ohne Programm, ohne „man müsste“.

Am Abend dann Silvestermenü im Haus. Kein Trubel, nur gutes Essen, ein Tisch, der sich richtig anfühlt. Danach Rommé und Hitster spielen, lachen, ein bisschen gewinnen, ein bisschen verlieren, so wie es sein soll. Später ab 23 Uhr das ZDF-Programm, entspannt auf dem Sofa, während draußen die Insel weiter leise bleibt.

Und kurz vor Mitternacht dieser kleine Moment, der immer gleich ist und jedes Mal neu: ein Blick, ein Anstoßen, ein tiefes Durchatmen.

Prosit 2026.


Tag 4 // 30.12.

Heute wieder zu Fuß. Und der Tag startete wie immer gemütlich: kurze Morgenrunde, frische Brötchen, ein entspanntes Frühstück, bei dem man noch gar nicht so richtig entscheiden muss, was der Tag werden soll. Danach standen wir an der Haltestelle und warteten auf den Bus nach Neuendorf. Warteten. Und warteten. Bis er kam, voll bis obenhin, und einfach an uns vorbeifuhr. Erst Ärger, kurz dieses „Muss das jetzt sein“. Dann Schulterzucken. Dann los.

Wieder dieses gute Gefühl, dass hier alles langsamer wird, sobald man anfängt zu gehen. Keine Autos, kein Drängen, nur Schritte im Sand und das leise Knirschen auf den Wegen. Wir haben die autofreie Insel wieder ganz bewusst zu Fuß genossen, Schritt für Schritt, ohne Eile. Hinter Vitte öffnet sich die Landschaft wie ein Fächer. Erst Wald, dann Wiese, dann Heide. Der Boden wechselt ständig den Charakter, mal weich und federnd, mal sandig und trocken, dann wieder fest wie ein Strandweg nach einem kalten Morgen. Und dann diese Überraschung: tolle neue Wege, man mag es kaum glauben. Als würde die Insel einem, ganz unaufgeregt, noch ein paar unbekannte Abzweige zeigen.

Zwischen Buchen und Kiefern wird es stiller, als würde das Licht selbst leiser sprechen. Und plötzlich ist da Meergeruch, obwohl man ihn noch gar nicht sieht.

Neuendorf empfängt uns völlig anders als Kloster oder Vitte. Weniger geschniegelt, weniger Bühne. Mehr Dorf, mehr Kante, mehr Wind. Es wirkt, als hätte sich der Ort nicht um Besucher bemüht, sondern einfach beschlossen, er selbst zu bleiben. In Plogshagen, dem alten Teil, ist das am deutlichsten. Häuser, die nicht erzählen wollen und gerade deshalb so viel erzählen. Man geht langsamer, ohne es zu merken.

Am Hafen dann Wärme. Fisch, salzig und ehrlich. Dazu heißer Sanddornsaft, der die Hände auftaut und im Mund diese herbe Inselnote hinterlässt. Ein kurzer Moment zum Anlehnen, zum Schauen, zum Durchatmen.

Und dann die Überlegung: vielleicht mit dem Bus von Neuendorf zurück nach Vitte. Nur kurz, nur einmal nicht die ganze Strecke. Aber nein, wieder war der Bus übervoll. Also wieder zu Fuß. Kurz genervt, dann musste man fast lachen. Egal. Man ist ja hier, wo Gehen nicht Plan B ist, sondern eigentlich das Beste am Ganzen.

Der Rückweg führt uns vorbei an der Heiderose und dann quer durch die Heide, diese weite, offene Fläche, die gleichzeitig karg und voller Details ist. Überall verstecken sich Heidehäuser, als wollten sie sich nicht finden lassen. Hier ein Reetdach zwischen Sträuchern, dort ein dunkler Giebel hinter Kiefern, dann wieder nichts als Weite, Gras, Sand und Himmel.

Und das Licht. Winterlicht ist launisch, aber auf eine schöne Art. Morgens klar und kühl, später weich wie ein Tuch, dann wieder flach und golden, wenn der Tag sich schon neigt. Die gleiche Heide sieht innerhalb weniger Stunden immer wieder anders aus. Neue Farben, neue Schatten, neue Konturen. Als würde die Insel uns ständig sagen: Schau nochmal. Jetzt. Und jetzt nochmal.

 

Am Ende kommen wir zurück, kaputt, aber zufrieden. Abendessen. Und dann, wie es sich gehört: noch eine Runde Rommé.


Tag 3 // 29.12.

Heute war so ein Hiddensee-Tag, bei dem man schon nach den ersten fünf Minuten merkt: Das wird kein Marsch, das wird ein gemütliches Vorwärtsdriften mit sehr klaren Prioritäten. Nämlich gucken, schnuppern, kurz stehen bleiben, wieder gucken und irgendwann so tun, als wäre das alles sehr sportlich gewesen.

Los in Vitte, da wo die Wege sofort dieses typische Insel-Tempo diktieren. Nicht langsam, eher… unaufgeregt. Links und rechts die Hiddenseehäuser, als hätten sie sich abgesprochen: Reetdach, weiß gekalkt, Fenster wie ordentlich gekämmte Frisuren. Dazwischen Sand, ein bisschen Gras, ein bisschen Wind, und dieser Geruch, der immer nach Salzwasser und Holzsteg klingt.

Wir haben natürlich an unseren üblichen Punkten gestoppt. Nicht, weil wir mussten. Sondern weil man an Hiddensee an bestimmten Stellen einfach kurz aussteigen muss, so wie man bei einem guten Lied automatisch lauter macht. Einmal da, wo man besonders gut sieht, wie die Häuser sich hinter Hecken verstecken, als wollten sie nicht fotografiert werden. Und dann wieder dort, wo der Weg plötzlich so schön „inseltypisch“ wird: ein bisschen krumm, ein bisschen sandig, mit genau dem richtigen Blick auf Bodden oder Meer, je nachdem, welche Seite heute lauter war.

Irgendwann kam dieses leise Gefühl: Jetzt sind wir im Bereich „Künstlerinsel“. Man merkt das, auch wenn man keine Namen an die Türen klebt. Die Stimmung wird einen Tick nostalgischer, als ob gleich jemand mit Skizzenblock um die Ecke kommt. Und klar, wir haben an den Orten vorbeigeschaut, wo früher in den 30ern die bekannten Runden saßen. Diese Treffpunkte, die heute ganz normal wirken, aber wenn man kurz stehen bleibt, sieht man sie plötzlich: Menschen mit Zigaretten, Diskussionen über Farben und Formen, und irgendwo der Blick, der immer wieder rauswandert, weil die Insel eben ständig dazwischenfunkt.

Zwischendrin: die kleinen Inselshops. Diese Läden, die so tun, als wären sie nur zufällig da, und dann steht man doch drin und fasst Dinge an, die man nicht braucht, aber sofort sympathisch findet. Postkarten, Kleinkram, was zum Mitnehmen, was zum „Ach guck mal“, und natürlich irgendwas, das so riecht, als hätte es den Sommer eingepackt.

Je näher Kloster, desto mehr dieses Gefühl von „gleich sind wir da“, obwohl man eigentlich nie wirklich „da“ ist auf Hiddensee. Es verschiebt sich nur. Der Weg wird ruhiger, die Häuser wirken noch einen Tick gelassener, und man wird automatisch leiser, ohne dass jemand was sagt.

Und dann der Hafen. Unser Klassiker. Nicht verhandelbar. Bockwurst und Grog, als wäre das ein altes Gesetz, das man nicht bricht. Diese Kombi ist objektiv ein bisschen schräg, aber auf der Insel ist sie komplett logisch. Warm in der Hand, warm im Bauch, und während die Boote so tun, als würden sie sich nicht bewegen, fühlt sich alles nach Ankommen an.

 

Am Ende sind wir in Kloster gelandet mit genau dieser Mischung aus frischer Luft im Kopf und leichtem „Ich könnte jetzt auch einfach irgendwo sitzen bleiben“. Und das Beste: Es war wieder so ein Tag, an dem man unterwegs dauernd denkt, man müsste eigentlich schneller weiter und dann merkt man, dass genau das der Witz ist. Auf Hiddensee ist der Weg nicht die Strecke. Der Weg ist der Plan.


Tag 2 // 28.12.

Erst mal ganz entspannt: ausschlafen. Gegen 8 Uhr dann raus mit Bella und das morgendliche, stille Vitte erkunden. Sonnenaufgang am Bodden. Der Bodden liegt da wie ein Atemzug, breit und glatt, nur hier und da eine Falte aus Wind. Licht sickert langsam über das Schilf, als würde jemand mit goldenen Fingern die Konturen nachzeichnen. Die Vögel schreiben ihre ersten Sätze in den Morgen, und ich lese sie ohne Eile. Hiddensee kann das: Zeit weich machen. Gedanken entknoten. Aus dem Kopf ein Fenster machen.. Kaum Leute, nur frische Luft, ein bisschen Wind und diese Ruhe, die sofort wirkt. Danach Brötchen holen und gemütlich frühstücken, ohne Plan, ohne Eile.

Später, als der Tag seine Farbe gefunden hat, klappert die Kutsche los. Dieses rhythmische Rollen, das leicht nach früher klingt. Pferdewärme, Leder, ein Hauch Staub. Kein Tempo, das drängelt. Eher ein Einverständnis: Wir kommen an, wenn wir ankommen. Der Weg zum Enddorn fühlt sich an wie ein kleiner Übergang, als würde man eine Seite umblättern und dahinter wartet schon das nächste Bild.

Dann Wanderschritte. Sand unter den Sohlen, Gras, das nach Sonne riecht, und diese Inselstille, die nicht leer ist, sondern voll von feinen Geräuschen. Der Leuchtturm steht da wie ein Gedanke, der schon lange da war, bevor man ihn selbst hatte. Weiß und aufrecht, ein stilles Versprechen am Rand der Dinge. Oben ist die Aussicht nicht nur weit, sie ist klar. Bodden hier, Meer dort. Zwei Wasser, zwei Stimmungen. Als hätte die Insel ein doppeltes Herz.

Und dann die Steilküste. Diese Linie, an der das Land plötzlich Mut zeigt. Die Kante ist scharf, der Blick fällt ab, und unten arbeitet das Meer geduldig an der Welt. Die Luft schmeckt salziger, die Farben werden härter: Kreide, Grün, Blau, ein Streifen Licht wie frisch gezogen. Man geht am Rand entlang und merkt, wie klein die eigenen Sorgen sind, wenn der Horizont so selbstverständlich alles aufnimmt.

Der Rückweg wird ein langer Satz, ohne Komma, getragen von Wind. Irgendwann kippt der Nachmittag in Abend, ganz unaufgeregt. Das Meer wartet schon, als hätte es den ganzen Tag Zeit gehabt, genau diesen Moment vorzubereiten.

Sonnenuntergang am Meer. Das Licht wird warm und schwer, und die Wellen klingen plötzlich wie Applaus, der ganz leise gemeint ist. Der Himmel macht sich auf, in Pastell zu zerfließen, und alles wirkt, als hätte jemand die Kanten weichgezeichnet: die Dünen, die Gedanken, sogar die Stimme im Kopf.

Wenn die Sonne schließlich im Wasser verschwindet, bleibt dieses Nachleuchten, das nicht nur am Himmel hängt, sondern irgendwo hinter den Rippen. Und man nimmt es mit, wie man Sand in den Taschen mitnimmt: aus Versehen, aber genau richtig.

Und danach: ankommen, Füße hoch, Kamin an, Kaffeezeit. Einfach chillen und den Tag nachklingen lassen. Nach dem Abendessen noch eine Runde Rommé, bisschen lachen, bisschen konzentrieren, dann wieder Ruhe.

 

Hiddensee, du Tag zwischen zwei Wassern. Du hast uns einmal von innen gelüftet.


Anfahrt: 27.12.25

Der Ankunftstag hatte dieses ganz eigene Gefühl: ein bisschen Aufbruch, ein bisschen „hoffentlich passt alles“, und gleichzeitig schon dieser innere Klick Richtung Inselmodus.

Um 1 Uhr klingelte der Wecker. Kein sanftes Wachwerden, eher ein klares „los jetzt“. Aufstehen, anziehen, Kaffee und Frühstück irgendwie in den Körper bekommen, während der Kopf noch halb im Bett hängt. Dann ging’s raus in die Nacht: erst Jana abholen, dann Mutti einsammeln. Kurz Taschen verstauen und los gings.

Autobahn. Dunkelheit, Scheinwerferkegel, die ersten stillen Gespräche und diese typischen Pausen zwischen Worten, wo alle nur fahren, schlafen oder denken. Und das Beste: Wir sind richtig gut durchgekommen. Kein Stress, kein Stau, einfach Strecke machen. Irgendwann wurde es heller, und mit dem Morgen kam auch die Energie zurück. Plötzlich war klar: Wir sind wirklich gleich wieder hier.

In Schaprode waren wir dann so früh dran, dass wir erstmal gar nichts mussten. Die Fähre war noch nicht da, und genau das war perfekt. Wir konnten einfach in Ruhe ankommen, uns sortieren, durchatmen und dann ganz entspannt auf die MS Hiddensee warten. Dieses Warten hat schon was von Abschied vom Festland: Man steht da, schaut aufs Wasser und merkt, wie der Kopf langsam umstellt.

Und dann Hiddensee. Ankommen fühlt sich hier nicht wie „wir sind da“ an, sondern wie „endlich wieder“. Unser Haus Mühlstein war sofort vertraut, als wäre es nur kurz ohne uns gewesen. Auspacken, einmal kurz orientieren, dann einkaufen, weil Insel eben auch Alltag braucht.

Natürlich sind wir als erstes zum Meer. Nicht lange, nur dieses Begrüßen, dieses „hallo, wir sind wieder da“. Wind im Gesicht, Salz auf den Lippen, fertig.

Später Kamin an. Dieses Knistern, das sofort alles gemütlich macht, egal wie früh der Tag war. Und abends ins Hiddenseeer: gutes Essen, warmes Licht, und diese Gespräche, die man nicht planen muss, weil sie von allein kommen, wenn man sich lange genug kennt und endlich Zeit hat.

 

Irgendwann zurück, müde auf die gute Art. Und dann der Satz, der hier einfach passt: Gute Nacht, Hiddensee.

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